Deutscher Science Fiction Preis 2008
Ein Gastbeitrag von Armin Rößler
In Mühltal bei Darmstadt wurde auf dem Jahrescon des Science Fiction Clubs Deutschland (SFCD) am Samstag der Deutsche Science Fiction Preis verliehen. Mein Roman „Andrade“ (Wurdack Verlag, www.wurdackverlag.de) ist auf dem vierten Platz gelandet (wie schon beim Kurd Laßwitz Preis) – das ist ein gutes Ergebnis. Sieger wurde Frank W. Haubolds „Die Schatten des Mars“ (EDFC) vor Michael K. Iwoleits „Psyhack“ (Fabylon) und Andreas Brandhorsts „Feuerstürme“ (Heyne). Hinter „Andrade“ folgen auf Platz fünf Andreas Eschbachs „Ausgebrannt“ (Lübbe) und Frank Borschs „Alien Earth – Phase 2“ (Heyne).
Noch besser (für mich persönlich als Herausgeber der Wurdack-SF-Reihe) ist allerdings das Ergebnis in der Kurzgeschichten-Kategorie: Da gab es nämlich zum allerersten Mal einen Preis für eine Erzählung aus einem Wurdack-SF-Band. Gewinner wurde Frank W. Haubold (der damit den ersten Doppelsieg in der Geschichte des seit 1985 verliehenen Deutschen Science Fiction Preises perfekt machte) mit „Heimkehr“ – erschienen in „S.F.X.“ im Wurdack Verlag, herausgegeben von Armin Rößler und Heidrun Jänchen. Heidrun ist mit ihrer Novelle „Fünfundneunzig Prozent“ (aus „Lazarus“, ebenfalls Wurdack-SF, ebenfalls herausgegeben von uns beiden) auf dem hervorragenden zweiten Platz gelandet, außerdem hat sie noch die Plätze vier (für „Regenbogengrün“ aus „Visionen 4“, Shayol) und acht (für „Slomo“ aus „Das Mirakel“, EDFC) geholt. Bernhard Schneider wurde mit seiner Novelle „Modulation“ (auch aus „Lazarus“) Zehnter. Die anderen Ergebnisse: Dritter wurde Marcus Hammerschmitts „Die Lokomotive“ (Visionen 4), Fünfter Helmuth W. Mommers’ „Körper zu vermieten“ (Nova 12), auf sechs landete Sascha Dickels „Bio-Nostalgie“ (Visonen 4), auf sieben Jörg Isenbergs „Kausalität irreparabel“ (c’t), auf neun Holger Eckhardts „Nordlicht über Venedig“ (Nova 12), auf elf Frank Neugebauers „Wendels Bruder“ (Exodus 21).
Die Laudationes auf die beiden Siegertitel sind inzwischen auf www.dsfp.de online, trotzdem zitiere ich gern ein paar Sätze. Martin Stricker hat „Die Schatten des Mars“ als „ungewöhnliches“ Werk gewürdigt, das „sich abseits der üblichen Klischees der Science Fiction bewegt“. Das Buch sei „nicht leicht zugänglich, aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem einzigartigen Lesegenuss auf einem Niveau belohnt, das dem literarischen Stand des beginnenden Jahrtausends mehr als angemessen ist“. Ralf Bodemann sagte in seiner Laudatio auf die Erzählung „Heimkehr“, Frank habe damit „eine Geschichte vorgelegt, in der er seine bekannten Stärken mit einem für ihn untypischen Thema vereint“ und weiter: „Die Synthese ist ihm auf hervorragende Weise gelungen. Hier passt einfach alles: Eine gut gezeichnete Hauptperson, ein interessantes und zunächst unerklärliches Phänomen und dann die langsame, zielsichere Heranführung an die Lösung. Haubold präsentiert sich als einer der profiliertesten Stilisten der deutschen SF-Szene.“
Über „Andrade“ sagte Ralf Bodemann in der sich anschließenden „Bücher, die fast den DSFP gewonnen hätten“-Runde der Roman sei „sehr stringent aufgebaut“, komme „schnell zur Sache“, ohne langweilig zu werden, sei im Gegenteil „sehr spannend“ und in einer knappen, aber überzeugenden Sprache geschrieben. Es sei zudem sehr interessant zu sehen, wie sich zunächst voneinander unabhängige Geschichten „zu einem Gesamtwerk verflechten“, hat Ralf Bodemann auch den Vorgänger-Roman „Entheete“ und die Story „Barrieren“ (aus der Anthologie „Überschuss“), die ja im selben Universum angesiedelt sind, in seine Würdigung mit einbezogen. Lobende Worte gab’s auch für Heidrun Jänchens „Fünfundneunzig Prozent“: Der Wettlauf zwischen dem Protagonisten und seinen Gegenspielern sei ebenso „unheimlich spannend dargestellt“ wie das, was sich an Veränderungen im Leben des Protagonisten selbst abspiele (Ralf Bodemann); „es steckt eine Menge in dieser Story, man muss sie zwei- oder dreimal lesen, um alle Aspekte zu erfassen“ (Thomas Recktenwald).
Frank W. Haubold hatte seine Preise vorher sichtlich gerührt entgegengenommen und die vorbereitete Dankesrede spontan abgekürzt. Er sei „sehr überrascht“, das Ergebnis habe ihn regelrecht „umgehauen“ und mache ihn „sehr glücklich“, sagte Frank. Mit dem Episoden-Roman „Die Schatten des Mars“ habe er „lange gekämpft, bestimmt 15 Jahre“. Sein besonderer Dank galt Heidrun Jänchen fürs Lektorat des Romans (zu dem Heidrun ja auch eine Episode beigesteuert hat). Die limitierte Erstauflage (100 Stück, nummeriert, handsigniert) ist zwar vergriffen, pünktlich zum SFCD-Con und der Preisverleihung sind aber einige Exemplare nachgedruckt worden (jetzt halt nicht mehr limitiert und nummeriert).
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