Markus Heitz: Vampire

Hallo erstmal, liebe Phantastik-Coucherinnen und -Coucher!

Der kleine Blog zum dicken Buch, „Kinder des Judas“, und zwar von mir: Markus Heitz.

Was gibt es zu mir zu sagen?

Jahrgang ‘71, Halb-Gothic, wollte schon recht früh Schriftsteller werden, einen Hang zum Phantastischen vermutlich durch die Oma und diverse Märchenabende bekommen und seitdem bin ich ihn nicht mehr losgeworden.

Gut, aus Märchen wurden dann echte Bücher, quer durch die Bank, später auch eben Fantasy, SF, Horror.

Da war doch der Wunsch, selber mal ein Buch zu schreiben …

Aber in Anbetracht des echten, harten Lebens war ich zuerst in Richtung Lehramt unterwegs (was Solides und Krisenfestes, dachte ich mir), habe den Umweg über den Journalismus genommen und bin seit ein paar Jahren reiner Schriftsteller. Dank der „Zwerge“, die bislang bekannteste Serie von mir.

Mit Ritus und Sanctum ging es dann in den Bereich „Dunkle Spannung“, und damit nach so viel Werwölfen auch meine Lieblinge, die Vampire, zum Zug kommen, habe ich „Kinder des Judas geschrieben.

Und schon sind wir mitten im Thema: Vampire!

Warum Vampire?

Angesichts der gleich bleibenden Beliebtheit der Blutsauger in Film und Literatur, hatte ich mir vor vielen Jahren gedacht, ich blättere mal in ein paar schlauen Büchern und schaue nach, wann und wie der Vampir nach Europa kam – die Schlittenversion vom Tanz der Vampire scheidet, sehr zu meinem Bedauern allerdings, aus.

Ich stellte fest, dass mein Geschichtsstudium doch nicht ohne praktischen Nutzen geblieben ist- immerhin gibt’s massig Literatur in unserer wunderbar muffigen Institutsbibliothek zum Thema Aberglaube und dergleichen.

Nach ein bisschen Schmökern bin ich fündig geworden.

Hier ein kleiner Auszug aus meinen „Erkenntnissen“, die es eines Tages vielleicht mal als Buch geben wird.

Ich fand die Recherche hoch interessant.

Stellen wir uns mal eine Zeit in Europa vor, zu der es draußen noch richtig dunkel, stockdunkel wurde und keine nahe Stadt auf kilometerweite Entfernung ihre helles Licht an den Himmel strahlte.

Straßenlaternen waren unbekannt, nachts saß man beim Schein von Kerzen oder Petroleumlampen zu zehnt in einer Stube und erzählte sich Geschichten.

Die Dunkelheit hatte damals eine bedrohlichere Wirkung auf die Menschen als heute, zumal der allgegenwärtige Aberglaube, der simple Naturerscheinungen und -gesetze auf überirdische, wenn nicht sogar teuflische Mächte zurückführte, tiefer und lebendiger wurzelte. So ist es auch kein Wunder, dass sich die Wesen aus Erzählungen, Sagen und Legenden bald in den Köpfen der Menschen verselbständigten und sie als Realität angenommen wurden …..

Im Laufe der Geschichte vereinheitlichte sich das Konzept des Vampirs, das sich im frühneuzeitlichen Mitteleuropa und auf dem Balkan herausgebildet hatte. Volkskundler fanden heraus, dass der Vampir Merkmale aus fünf verschiedenen Kategorien von magischen Glaubensvorstellungen in sich vereint:

1. Die Wiedergänger,

2. die Alp ähnlichen, nächtlichen heimsuchenden Geister,

3. die Wesen von der Art der Blut saugenden stryx des Altertums,

4. jene Hexen aus slawischen und balkanischen Gebieten, die auch noch nach ihrem Tod angeblich Schaden anrichten können und

5. Werwölfe, d.h. Personen, die Wolfsgestalt annehmen können, um Lebende anzufallen und zu verschlingen.

Nach ein paar obskuren Hinweisen aus dem Mittelalter, begannen sich im 17. Jahrhundert die Berichte über diese monströsen Wesen zu vermehren.

Die ersten eindeutigen Fälle von Vampirismus wurden 1591 aus Schlesien und 1618 aus Böhmen gemeldet, 1624 gab es ein paar upierzyca- Berichte aus der Nähe von Krakau. Hier lässt sich eine auffallende geographische Einheitlichkeit feststellen, die in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts mit den griechischen, bulgarischen, rumänischen und serbischen Berichten über moroi und broucholachi auf dem Balkan noch deutlicher zutage trat.

Bezeichnenderweise geht es in den Geschichten um Fälle von Menschen – häufig Selbstmörder, Ungetaufte, Exkommunizierte, Verhaltensauffällige oder Personen mit Abnormitäten – die in Mensch- oder Tiergestalt ihren Gräbern entstiegen.

Sie verursachten Schäden oder Seuchen, töteten Menschen und Tiere, bis ihre unverwesten Leichen, deren Adern noch mit Blut gefüllt waren, exhumiert und mit einem Pfahl durchbohrt oder enthauptet wurden, oder bis man ihnen das Herz herausschnitt und sie verbrannte.

Obwohl der Vampirglauben eigentlich slawischen und griechischen Ursprungs ist, brachte ihn die öffentliche Meinung des 18. Jahrhunderts in erster Linie mit Ungarn in Verbindung, weil fast alle berühmten Fälle von Vampirismus des 18. Jahrhunderts in den Randgebieten des Königreichs Ungarn auftraten.

1706 erschien das erste, viel gelesene Werk über Vampire mit dem Titel De magica postuma von Karl Ferdinand Scherz. Eine lutheranische Synode beschäftigte sich 1707 in Rózsahegy (Ruzomberok) mit dem Umstand, dass immer mehr Leichen exhumiert, enthauptet und verbrannt wurden.

1709 berichtete der ungarische Arzt Samuel Köleséri, der den Verlauf der Pest in Transsylvanien schilderte, voller Entsetzen über die Anzahl der ausgegrabenen Leichen, die mit einem Pfahl durchbohrt und enthauptet wurden, weil man sie für den Ausbruch der Seuche verantwortlich machte.

Eines der merkwürdigsten Ereignisse verzeichnete man 1718 in der an der ungarisch- polnischen Grenze gelegenen Stadt Lubló: Ein Kaufmann namens Kaszparek (!), der das Vermögen seines polnischen Kunden gestohlen hatte und kurz darauf verstorben war, kehrte aus seinem Grab zurück, um mit seiner Frau „zusammen zu sein“ und anderen Leuten Angst einzujagen.

Die aufkommende Panik hatte eine Reihe von städtischen Ermittlungen zur Folge. Den Protesten Kaszpareks Frau zum Trotz gab es eine Reihe von Verstümmelungsversuchen an der Leiche, die allerdings nichts brachten, bis der ganze Körper schließlich verbrannt wurde. Der Aufsehen erregende Fall wurde von den Chronisten der Zeit in allen Einzelheiten festgehalten.

In den 1720er Jahren erhielt die Vampir- Epidemie neue Nahrung durch die Berichte aus Késmárk in Nordungarn und Brásso sowie Déva aus Transsylvanien.

Den berühmtesten Fall gab es jedoch in Serbien, im Dörfchen Medvegia und damit der Ausgangspunkt für den Roman. Mehr dazu steht ja im Nachwort des Romans, deswegen lasse ich das an der Stelle mal weg.

Zusammengefasst: Die Gutachten, welche die Existenz der Vampire „belegen“, sind erhalten geblieben, angefertigt von Ärzten der Kaiserlichen österreichischen Armee, die bei der Exhumierung anwesend waren.

Diese Serie von Fällen bildete den Auftakt zu einer großen Vampirismus- Debatte in den 1730er Jahren. In einer langen Reihe von mehr oder weniger wissenschaftlichen Werken wurden zunächst diese Phänomene und in den 1740er Jahren auch neuere Fälle von Vampirismus in Transsylvanien, Böhmen und Mähren erörtert.

Der Benediktinerabt Dom Augustin Calmet bestätigte im 1750 verfassten Traité sur les apparations des esprits et sur les vampires ou revenants de Hongrie, de Moravie etc. diese geographische Besonderheit. In der Folge bürgerte sich als Bezeichnung für diese Monster international das vom polnischen upyr abgeleitete ungarische Wort vámpir ein.

Warum aber beschäftigte diese paar Dutzend Geschichten über Vampire Europa mehr als die immer noch laufend Hexenverfolgungen (wenn auch nicht mehr so stark wie in den Jahrhunderten zuvor) in Ungarn, Polen, Österreich und Deutschland, bei der Hunderte von Menschen zu Tode kamen?!

Dazu das nächste Mal mehr …

Euer Markus Heitz

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